Mensch, Maschine, Management
Warum KI den Schwerpunkt des Managements verschiebt, die Angst vor der eigenen Ersetzbarkeit aber unbegründet ist
Digitalminister Karsten Wildberger warnte jüngst vor „dramatischen Jobverlusten“ durch Künstliche Intelligenz. Eine Debatte, die in Unternehmen, aber auch am heimischen Küchentisch für Verunsicherung sorgt. Wichtig ist hier die Differenzierung, auch im Management. KI ersetzt nicht die Arbeit, doch sie verändert sie.
Karsten Wildberger ist seit Mai 2025, und damit ziemlich genau seit einem Jahr, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung der Bundesrepublik Deutschland. Vor einigen Wochen sagte der Politiker der Neuen Osnabrücker Zeitung:
„Wenn die KI den Informatikern, Mathematikern und vielen anderen ihre Jobs wegnimmt, dann brauchen diese Menschen eine andere sinnvolle Betätigung.“
Eine Aussage, mit der Wildberger einen Nerv trifft, der bei vielen Menschen gerade besonders empfindsam ist: Es ist die Angst davor, austauschbar zu sein, ersetzt durch eine Maschine. Doch ist diese Angst auch begründet?
Welche Aufgaben übernimmt die KI und wo ist der Mensch unersetzbar?
Es ist ein tief verankertes Bedürfnis eines jeden Menschen, sich sicher zu fühlen, gesehen und geschätzt zu werden für das, was man gut kann. Der Siegeszug von ChatGPT und Co. scheint jetzt dieses Sicherheitsbedürfnis gehörig ins Wanken zu bringen, wobei manche Berufe und Branchen sehr viel „gefährdeter“ sind als andere. So gelten zum Beispiel Jobs im Gesundheitswesen, in der Pädagogik oder auch der Pflege noch als unantastbar von der KI, weil sie ein großes Maß an emotionaler Intelligenz benötigen. Andere Bereiche, wie beispielsweise Büro- und Verwaltungsausgaben, bestimmte Zweige der Telekommunikation aber auch der Kreativbranche, stehen dagegen zur Diskussion, was die Ersetzbarkeit eines Menschen anbelangt.
Doch wie ist es in unserer Branche?
Welche Auswirkungen hat KI im Management?
„Entscheidende“ Kompetenz des Menschen
Moderne Systeme analysieren Daten schneller und präziser als Menschen. Sie erkennen Muster und liefern fundierte Entscheidungsgrundlagen. Was sie jedoch nicht leisten können, ist das eigentliche „Entscheiden“. Denn jede Entscheidung besteht aus zwei Elementen: Analyse und Urteil. Während KI die Analyse zunehmend übernimmt, bleibt das Urteil, und damit die Verantwortung, beim Menschen.
„KI kann berechnen, aber nicht beurteilen, was verantwortbar ist. Genau darin liegt die unersetzbare Aufgabe von Führung.“
Prof. Dr. Daniel Keller, KellerPartner
Kompetenzverschiebung statt (Job)Krise
Für Führungskräfte bedeutet das einen klaren Wandel: Der Fokus verschiebt sich weg von der Datenanalyse hin zur Bewertung von Optionen im Kontext von Risiken, Werten und Zielen.
Diese Entwicklung rückt eine oft unterschätzte Dimension in den Mittelpunkt. Hierbei handelt es sich um die normative Ebene, wie sie etwa im St. Galler Management Modell beschrieben wird. Denn Fragen nach Verantwortung, Orientierung und Sinn lassen sich nicht automatisieren. Das gilt hier ebenso wie in den oben genannten sozialen Berufen.
Die eigentliche Herausforderung für Organisationen liegt daher nicht im Ersatz von Führung, sondern in der Stärkung von Urteilskraft unter neuen Bedingungen.
Fazit: KI verändert Management grundlegend. Doch die menschliche Entscheidung macht sie nicht überflüssig, sondern im Gegenteil: noch wichtiger.
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