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Zeit | Zeichen | Entscheiden in der Krise 

Sehen Sie sich hier den virtuellen Workshop noch einmal an:

Liebe Leserinnen und Leser,

Covid-19 | Woche 3 unter neuem Vorzeichen. Blog-Beiträge und Newsletter sind jetzt voll von sinnstiftenden Tipps auf der konkreten Handlungsebene. Wer sein konkretes Problem googelt und mit dem Begriff Home Office verbindet, bekommt eine Lösungs- oder Bewältigungsstrategie. Die Schwarmintelligenz funktioniert, jetzt wo Millionen Verantwortliche aus allen Sektoren und Wirtschaftsbereichen zuhause arbeiten. Zeit also, die Flughöhe zu erhöhen zugunsten einer abstrakteren Betrachtung, für ein kurzes mentales Zurücktreten und Beobachten der Art und Weise, wie derzeit Ihr eigenes Denken, Ihre Informationsaufnahme und -verarbeitung funktionieren. Anspruchsvoll? Vielleicht. Lohnend? Nicht die richtige Kategorie. Notwendig um weiter wirksam zu steuern!

Arbeiten. Ist Ihnen bewusst, dass „Arbeiten“ ein Tätigkeitswort, ein Verb oder Prozesswort ist? Und ist Ihnen auch bewusst, dass das Substantiv „Arbeit“ im Vergleich dazu einen Zustand ausdrückt und eben keinen Prozess? Der Zustand ist „die Arbeit“ – als Metapher ein Container im Hafen von Rotterdam. Von außen sehen die alle ziemlich ähnlich aus, manchmal stehen Logos darauf und der Außenanstrich ist verschieden. Was genau in diesem Container drin ist, weiß nur, wer ihn öffnet und hineingeht. Genauso verhält es sich mit „der Arbeit“. Es ist ein Zustand, dem unser Bewusstsein erst dann eine Bedeutung geben kann, wenn es erfährt, was es ist, also welche Tätigkeiten oder eben Prozesse dieser Zustand bündelt. Diese Betrachtung ist spannend, weil Zustände konkretes Verhalten auslösen. Warum jetzt diese Metapher?

Sie haben grundsätzlich drei Perspektiven auf das „Arbeiten„, das war auch schon vor dem Lockdown der Fall:

  • Sie können „Arbeiten“ als den Beginn von etwas begreifen, was sie dann ausführen.
  • Sie können „Arbeiten“ begreifen als etwas, mit dem Sie sich fortdauernd und anhaltend beschäftigen, bei dem sie Probleme identifizieren und nach Lösungen suchen.
  • Oder „Arbeiten“ beschreibt eine Reihe von Aktivitäten, mit denen Sie Ihre (besten) Resultate erreichen.

Welche der drei Perspektiven Sie den Prozessen oder dem Arbeiten aktuell aber geben, ist Ausdruck einer Entscheidung. Ihrer Entscheidung – ob bewusst oder unbewusst. Wieso das relevant ist? Durch die aktuell für die meisten erheblich veränderten Rahmenbedingungen des Arbeitens steht Ihr Container womöglich gerade in einem ganz anderen Hafen, oder ist zugebaut von anderen Containern und ein Kran ist gerade nicht verfügbar und Sie fragen sich nun, durch welches Arbeiten, also welche der Perspektiven Sie da nur herankommen sollen. Und während Sie das versuchen, probieren es links und rechts auch andere, geben Tipps und teilen ihre Strategien. Hilft dies? Na ja, jede Perspektive sorgt bei Ihnen für unterschiedliche Folgen.

Wenn Sie Nachrichten von Virologen oder Ärzten und Pflegern lesen, dann gerät die eingetretene menschliche Betroffenheit auf der körperlichen und emotionalen Ebene in den Fokus (Startlinie). Schauen Sie sich den Geschäftsklimaindex an, können Sie mit Hilfe Ihres Wissen und Ihrer Erfahrung Ihre Umsatzerwartung anpassen und Maßnahmen einleiten (Strecke). Und studieren Sie die Lage in Wuhan in Bezug auf Ihr Geschäftsmodell oder Ihre Produkte, können Sie Erfolgsfaktoren zum Überleben der Organisation identifizieren und die Übertragbarkeit auf Ihre Situation ermitteln (Ziel). Sie können, Sie sollten, Sie müssen – um handlungsfähig zu bleiben – jetzt wissen, welche Perspektive Sie aktuell einnehmen, auf welche Art Sie auf das Thema blicken:

Stehen Sie an der Startlinie oder wollen eiligst hin und müssen aufgrund von täglich eintreffenden Meldungen den Start gefühlt dauernd verschieben? So fühlt sich auch an, wenn Sie zum Starten einladen und keine(r) kommt mit.

Sind Sie auf der Strecke und die Riemen drücken? Sie schauen sich permanent zu allen Seiten um und erhalten fortlaufend neue Informationen, die Ihre Strecke blockieren oder aber die Ruder lahmlegen.

Wenn Sie kurz vor der Ziellinie stehen, werden Sie dieser Tage vor allem feststellen, dass etwas anderes nachkommt, als es bisher der Fall war; womöglich kommt nichts nach; Ihre Resultate stocken oder die Ergebnisqualität ist eingebrochen.

Wenn Ihnen Ihre Blickrichtung – eben Ihre Perspektive – auf eingehende, Sie erreichende Informationen bewusst ist, können Sie weiterhin wirksame Entscheidungen treffen. Diese sind vielleicht auf niedrigerer strategischer Flughöhe als üblich, aber trotzdem unter den gegebenen Umständen Ihre wirksamste Option. Kommunizieren Sie Ihre Perspektive auch aktiv weiter, damit andere Sie verstehen: Leisten Sie so einen Beitrag zum Zusammenhalt in Ihrem Team, auch wenn sie aktuell kein Mitglied oder eine deutlich reduzierte Personenzahl physisch um sich haben. Nehmen Sie nicht an, dass alle eine Perspektive teilen, sondern kommunizieren Sie Ihre in deutlichen Worten – das hilft, um auch jetzt einander überhaupt zu verstehen und so das Vertrauen aufrecht zu erhalten.

Ist Ihnen Ihre Perspektive bewusst, können Sie abstrakt betrachten, was Sie aktuell tun und einzelne Prozesse identifizieren, dann ist der nächste Blick der auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Und genau diese Perspektive ist notwendige Bedingung für jede Form von Gestaltung, von Schaffenskraft, von Kreativität.
Machen Sie sich bitte bewusst, dass eine Vielzahl von bei Ihnen eintreffenden Informationen auf den drei Ebenen aktuell verzerrt ist. Das lenkt Sie ab bei der Suche nach Ihrem Container und der Frage, wie Sie und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Kolleginnen und Kollegen an den Inhalt herankommen: Um einen Beitrag dazu zu leisten, dass Ihre Organisation zunächst einmal überlebt.

Fakt ist, die aktuelle Phase wird vorüber gehen und wir werden weite Teile unserer Handlungs- und Verhaltensautonomie zurückerlangen. Wie aber die Gestalt von Arbeit und damit auch das „Arbeiten“ sich verändern wird, kann derzeit niemand sagen. Wir stehen aktuell am Beginn von etwas, wofür selbst eine 10-Tage-Perspektive schwierig zu fundieren ist. 

Es sitzen eben nur körperlich und emotional alle in einem Boot: Wer sein Denken aktiviert und benutzt, hat mehr Reichweite als diejenigen, die im Betroffenheitsmodus unterwegs sind. 

Am kommenden Mittwoch geht es im Keller Partner virtuellen Zeit | Zeichen Workshop um einen Impuls zur Sicherung des Einflussbereichs – so hoch wie möglich und eben auch so niedrig wie aktuell nötig. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

Ihr Daniel Keller für das Keller Partner Team.

 

 

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