Über Haltung, Krisenfestigkeit und das Prinzip langfristiger Zusammenarbeit
Liebe Leserinnen und Leser,
in einem Jahrzehnt ändert sich nicht nur Mode und Sprache, sondern auch persönliche Einstellungen, Technologien oder – wie in meinem Fall – die Haarfülle. Aber Spaß beiseite.
Zehn Jahre sind eine Hausnummer. Darin stecken viele Emotionen, etliche Erfolge, natürlich auch einige Rückschläge und vor allem viele wertvolle Erfahrungen. Sie beschreiben einen Weg.
| Eine ganze Dekade möchte ich heute zum Anlass nehmen, einmal zurückzuschauen und Sie mitzunehmen zu meinen persönlichen Anfängen und den Herausforderungen der letzten Jahre. |
Für mich gilt dabei: Man muss wissen, woher man kommt. Wer seine Wurzeln nicht kennt und nicht reflektiert, welche Werte ihn geprägt haben, wird vom Tempo der Gegenwart getrieben, statt Zukunft bewusst zu gestalten.
Gerade heute, in einer Welt permanenter Veränderung, in der alles so dringlich scheint, braucht es etwas Seltenes: Haltung, einen inneren Kompass und die Fähigkeit, innezuhalten und sich die ehrliche Frage zu stellen:
„Was tue ich warum, wie und für wen?“
Ich habe KellerPartner aus Überzeugung gegründet
Organisationen bleiben nur dann langfristig lebensfähig, wenn Führung wirksam, verantwortungsvoll und menschlich gestaltet wird. Und weil ich autonom und eigenverantwortlich einen Beitrag leisten wollte, wurde aus dieser Überzeugung ein Unternehmen.
Und ja, ich wollte auch mein eigener Chef sein. Aber nie um den Preis von Beliebigkeit oder kurzfristigem Aktionismus, denn die nüchternen Zahlen hatte ich immer im Hinterkopf: Die meisten Unternehmen überleben die ersten drei Jahre nicht. Dieses Wissen prägte Entscheidungen und schärfte meinen Blick dafür, was wirklich zählt.
Bonn, Bayern & Beijing
Zu meinen ersten Kunden gehörten ein Unternehmensverbund mittelständischer Produktionsunternehmen aus der Oberpfalz, ein Versicherer aus der genossenschaftlichen Finanzgruppe und ein bekannter bayerischer Automobilhersteller. Diese frühen Mandate hielten einige Herausforderungen für mich bereit – angefangen beim Dialekt. Als Rheinländer ist es nicht so einfach, sich in den Oberpfälzer Duktus zu denken oder den bayerischen Dialekt zu entziffern! Die Zusammenarbeit war von Anfang an geprägt von Vertrauen und Stolz, aber auch Druck und einer großen Portion Verantwortung. Mein Name stand immerhin auf dem Deckblatt. Die Verantwortung lag vollständig bei mir und Entscheidungen hatten reale Wirkung auf Menschen und Organisationen.
Meine Arbeit führte mich früh auch in internationale Kontexte, unter anderem nach China und in die USA. Hier trafen unterschiedliche Kulturen, Märkte und Erwartungshaltungen aufeinander, und doch dieselben grundlegenden Führungsfragen.
Diese Erfahrungen haben meinen Blick geschärft für Kontext, Wahrnehmung und Bedeutung. Dafür, dass Wirkung nicht allein aus rationalen Argumenten, sondern aus dem Zusammenspiel von Struktur, Kultur und Menschen entsteht.
Von der One-Man-Show zum Teamplay
Bald darauf konnte ich meine ersten Mitarbeitenden einstellen. KellerPartner wächst. Ein tolles Gefühl gepaart mit Dankbarkeit für das entgegengebrachte Vertrauen und gleichzeitig die große Verantwortung für Existenzen.
Und dann kam wenige Monate später die Corona-Pandemie, die diese Gefühle noch einmal erheblich verstärkte. Von einem Tag auf den anderen waren Präsenzformate, persönliche Begegnung und gemeinsame Räume nicht mehr möglich.
„Wir hätten abwarten können. Wollten wir aber nicht. Wir haben zusammen angepackt.“
Für manche Organisationen war diese Zeit der Endpunkt. Für uns wurde sie ein Wendepunkt. Wir haben unsere Beratungs- und Trainingsformate virtuell neu gedacht. In dieser Zeit entstand auch unsere eAcademy als nachhaltige Antwort auf eine neue Realität.
Unsere e-Learning-Module darin sind wissenschaftlich fundiert, tief verankert im St. Galler Management-Modell und mit hohem Anspruch an Qualität, Tiefe und Wirksamkeit. Es geht um Inhalte, die von unseren Kundinnen und Kunden genutzt und geschätzt werden, gerade weil sie immer aus echtem Bedarf heraus entstehen. Und sie sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Blended Learning-Ansatzes.
Wir sind stärker und mit mehr Klarheit, Tiefe und Zusammenhalt aus dieser Krise hervorgegangen. Es war die richtige Entscheidung, mein Team zusammen zu halten und weitgehend ohne staatliche Hilfen auszukommen, was Substanz und finanzielle Risikopuffer erforderte.
So führe ich diese Organisation auch heute noch. Denn langfristige Lebensfähigkeit bedeutet, immer wieder besser werden, Prioritäten setzen, Routinen pflegen und die Qualität sichern, auch dann, wenn es langweilig oder mühsam ist. Dazu gehört auch, zwischen modischem Lärm und echten Signalen zu unterscheiden.
Unabdingbar für unsere Erfolge: Freude, Vertrauen und guter Kaffee!
Für mich ist es eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, die mich bewegt, wenn ich an die nächsten zehn Jahre denke. Hierzu passt auch eine scheinbar nebensächliche Sache, aber eine meiner großen Leidenschaften: exzellenter Kaffee. Begonnen hat diese Leidenschaft in Rom, wo ich gelernt habe, dass ein Espresso nicht einfach nur ein Heissgetränk mit Koffein ist, sondern viel mehr ein Moment des Genusses und der Konzentration, sozusagen eine Einladung, kurz innezuhalten.
Der Anspruch, den besten Espresso, Cappuccino und Kaffee des Rheinlands zu machen, ist für mich kein Gag, sondern Ausdruck meiner Haltung, die Dinge mit Sorgfalt, Präzision und Respekt vor dem Handwerk zu tun.
„Egal ob Führung, Strategiearbeit oder ein Espresso – Mittelmaß interessiert mich nicht, denn Bedeutung entsteht im Detail. Und ich glaube zutiefst an das Prinzip Play long-term games with long-term people.“
Unsere Kundinnen und Kunden sind ein Ausdruck davon, denn viele begleiten uns seit den ersten Jahren – manche sogar seit dem ersten Tag. Vielleicht ist es genau diese Haltung, die erklärt, warum Zusammenarbeit mit uns oft langfristig angelegt ist.
Mit einem wachsenden Team musste ich außerdem lernen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, mich nicht von Dringlichkeiten treiben zu lassen und weniger den Weg, sondern mehr das Ergebnis zu kontrollieren. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie und die entscheidende Frage meiner Herkunft war immer schlicht: Funktioniert das? Diese Frage schützt mich noch heute vor glänzender Oberfläche ohne Substanz.
Ich möchte Danke sagen!
Danke an unsere Kundinnen und Kunden für Ihr Vertrauen und die vielfach langjährige Zusammenarbeit.
Danke an mein Team für die Vielfalt an Kompetenzen, die unterschiedlichen Persönlichkeiten und das selbstverständliche tägliche Mitdenken.
Und Danke an meine Familie, denn sie trägt, erdet und entwickelt mich, ohne Pathos, aber mit enormer Bedeutung.
All das lässt mich demütig und zuversichtlich nach vorn schauen.
Auf das nächste Jahrzehnt!
Ihr Daniel Keller
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