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Körpersprache
Prof. Dr. Daniel Keller31.8.2026

Körpersprache

Körpersprache
5:40

Deshalb wirken manche Menschen bereits, bevor sie sprechen 

Liebe Leserinnen und Leser,

Es gibt diese Personen, die nur einen Raum betreten müssen und sofort spürt man, dass sich etwas verändert hat – und wir sprechen dabei nicht von Temperatur oder Luft. Mit (scheinbar) müheloser Selbstverständlichkeit strahlen sie eine Präsenz aus, die weder laut noch dominant ist, sondern Kompetenz vermittelt, ohne dass überhaupt ein Wort gesprochen wurde.

Im Gegensatz dazu gibt es Menschen, die über dieselbe Erfahrung, fachliche Expertise und vielleicht sogar die besseren Argumente verfügen. Dennoch gelingt es ihnen deutlich seltener, Vertrauen zu schaffen und andere Menschen mitzunehmen.

Doch woran liegt das? Was oder welche Verhaltensweisen machen den Unterschied?

Diese Fragen beschäftigen die Führungsforschung seit Jahren und die Antwort fällt erstaunlich schlicht aus: Nicht das Gesagte hat den größten Impact bei den Menschen, sondern das, was sie beobachten.

Lange bevor wir die ersten Worte eines Menschen einordnen können, hat unser Gehirn bereits begonnen, ihn zu bewerten. Wir filtern unbewusst, ob wir dieser Person vertrauen können und ob sie glaubwürdig wirkt. Erst im Anschluss an dieses unbewusste Einsortieren beschäftigen wir uns mit den gesprochenen Inhalten.

Deshalb beginnt wirksame Führung viel früher, als viele glauben. Sie beginnt mit der Frage, ob das, was wir sagen, zu dem passt, was andere an uns wahrnehmen.

Kaum etwas wird im Führungsalltag so sorgfältig vorbereitet wie das gesprochene Wort. Wir arbeiten Präsentationen bis ins Detail aus, schärfen unsere Argumente und spielen schwierige Gespräche im Vorfeld (gedanklich) mehrfach durch. Wesentlich weniger Aufmerksamkeit schenken wir dagegen der Art und Weise, wie wir diese Botschaften vermitteln. Dabei kommunizieren wir ununterbrochen, praktisch zwischen den Zeilen, und diese Art der Kommunikation ist so viel stärker, als man glauben mag.

Haltung, Mimik, Blickkontakt, Gestik, Stimme und auch der Raum, den wir einnehmen, senden Signale aus, und zwar nicht nacheinander, sondern alle gleichzeitig. Daher entscheidet nicht ein einziges Signal, sondern ob die verschiedenen Signale gemeinsam mit dem Gesagten eine stimmige Geschichte erzählen.


Wie stark solche Signale unsere Wahrnehmung beeinflussen können, zeigen auch die viel zitierten Untersuchungen des Psychologen Albert Mehrabian. Allerdings lohnt sich hier ein genauerer Blick, denn die daraus entstandene 7-38-55-Regel wird bis heute häufig falsch verstanden. Mehrabian hat nicht untersucht, ob Kommunikation grundsätzlich zu 55 Prozent aus Körpersprache, zu 38 Prozent aus Stimme und nur zu 7 Prozent aus Worten besteht. Seine Studien aus den 1960er-Jahren beschäftigten sich vielmehr mit Situationen, in denen gesprochene Worte, Tonfall und Gesichtsausdruck nicht zusammenpassten. Untersucht wurde also, woran Menschen sich orientieren, wenn unterschiedliche Signale gleichzeitig etwas anderes vermitteln. Genau darin liegt die für wirksame Führung interessante Erkenntnis: Es sind nicht nur unsere Worte, auf die andere reagieren, sondern auch darauf, ob unser Auftreten zu dem passt, was wir sagen.

Deshalb geht es nicht darum, ob wir Körpersprache einsetzen, denn das machen wir ohnehin. Viel wichtiger wird, wie bewusst wir sie nutzen, um die passende Geschichte über uns und unsere Absichten zu erzählen. Denn: Menschen glauben dem, was sie als stimmig erleben.


Stellen Sie sich eine Führungskraft vor, die ihrem Team sagt: „Ich freue mich auf Ihre Ideen.“, während sie immer wieder auf den Laptop schaut, die Arme verschränkt hält und die Stimme angespannt wirkt. Vermutlich würden die wenigsten Mitarbeitenden den Satz genauso positiv wahrnehmen, wie er gemeint war, weil Sprache und Verhalten nicht zusammenpassen.

Wir suchen unterbewusst nach Übereinstimmung und sind erstaunlich gut darin, Dissonanzen wahrzunehmen und uns im Zweifelsfall für die Negativ-Interpretation zu entscheiden.


Je stimmiger diese Signale sind, desto glaubwürdiger erleben wir unser Gegenüber. Entsteht dagegen ein Widerspruch zwischen Worten und Körpersprache, vertrauen wir häufig dem, was wir sehen, und nicht dem Gehörten. Genau deshalb beginnt wirkungsvolle Körpersprache nicht bei der Frage, welche Geste besonders souverän wirkt, sondern bei der eigenen Haltung: Wer seinem Gegenüber ehrlich zuhört, muss sich Blickkontakt nicht mühsam antrainieren, und wer aufrichtiges Interesse an anderen hat, wirkt meist automatisch zugewandter. Wer sich seiner Rolle sicher ist, strahlt häufig auch Ruhe aus, ohne sie inszenieren zu müssen.

Das bedeutet nicht, dass manche Menschen all diese Eigenschaften einfach haben und andere eben nicht. Körpersprache ist nicht angeboren, und einzelne Verhaltensweisen lassen sich bewusst entwickeln. Entscheidend ist jedoch, dass sie zu dem passen, was wir tatsächlich vermitteln wollen. Denn eine einstudierte Geste kann zwar kurzfristig souverän wirken, glaubwürdig wird sie erst dann, wenn sie mit der eigenen Haltung übereinstimmt. Authentische Präsenz entsteht dort, wo innere Haltung, äußeres Verhalten und gesprochene Worte dieselbe Sprache sprechen.

Körpersprache ist deshalb weit mehr als eine Kommunikationstechnik. Sie macht sichtbar, ob das, was wir sagen, mit dem übereinstimmt, was wir vermitteln. Glaubwürdige Präsenz entsteht, wenn innere Haltung, äußeres Verhalten und gesprochene Worte dieselbe Geschichte erzählen.


Ihr Daniel Keller

 

Bildquelle: Foto von Katemangostar auf Magnific

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Prof. Dr. Daniel Keller

Ich bin Gründer und CEO von KellerPartner, Experte für Strategie und Transformation und bringe umfangreiche Management-, Berater- und Trainererfahrung aus verschiedenen Branchen und Ländern mit. Als Professor für General Management an der Steinbeis Hochschule verknüpfe ich anwendungsorientierte Forschung mit interdisziplinärem Wissen.

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