Warum wir Management neu denken müssen
Liebe Leserinnen und Leser,
Künstliche Intelligenz (KI) ist weit mehr als ein technologischer Trend. Sie verändert, wie wir wirtschaften, entscheiden und auch führen. Und sie stellt drängende Fragen, und zwar nicht nur an Entwickler oder IT-Abteilungen, sondern an uns alle, die wir Organisationen gestalten: als Führungskraft, als Unternehmensverantwortliche, als Menschen.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den Herausforderungen moderner Führung und systemischer Unternehmensentwicklung. Dabei ist mir eines immer klarer geworden: Wir können KI nicht wirksam integrieren, wenn wir sie rein technisch betrachten. Es braucht einen konzeptionellen Rahmen, der den Menschen im System nicht nur mitdenkt, sondern bewusst ins Zentrum rückt.
Diese Überzeugung war für mich der Ausgangspunkt für meinen Beitrag im aktuellen Springer-Fachbuch „Wie die Künstliche Intelligenz die Wirtschaft verändert.“ Der Titel meines Kapitels lautet: „Normative Grundlagen der KI-Nutzung: Das St. Galler Management Modell als Referenzrahmen“. Darin verbinde ich zwei Perspektiven: die strategisch-normative Logik des St. Galler Management Modells (SGMM) mit der operativen Struktur des Integrierten Managementsystems (IMS). Mein Ziel: Zu zeigen, wie wir KI sinnvoll in Unternehmensführung einbetten können, ohne Verantwortung zu delegieren oder Werte zu relativieren. |
„KI kann Prozesse optimieren, aber erst klare normative Grundlagen machen sie für Unternehmen zukunftsfähig.“
Was bedeutet das konkret?
Viele Organisationen stehen heute vor der Herausforderung, ihre Entscheidungs- und Steuerungsprozesse zu digitalisieren. KI scheint dafür das perfekte Mittel zu sein: Sie analysiert riesige Datenmengen in Sekunden, prognostiziert Entwicklungen und automatisiert Routinen. Und doch bleibt eine Leerstelle: Wo bleibt die menschliche Urteilskraft? Wer definiert die ethischen Leitplanken? Wie sichern wir uns gegen automatisierte Verzerrungen und blinde Logik?
Hier kommt der normative Blick ins Spiel und genau darin liegt die Relevanz für Sie als Führungskraft, die Verantwortung trägt. Denn es reicht nicht, KI in bestehende Systeme zu „integrieren“. Wir müssen diese Systeme weiterdenken. Normative Grundlagen helfen dabei, zentrale Fragen vorab zu klären:
- Welchen Zweck verfolgt unsere Organisation und wie passt KI dazu?
- Wo beginnt Effizienz, wo endet Verantwortlichkeit?
- Welche Rolle spielt Führung, wenn Maschinen Empfehlungen geben?
Für Sie als Führungskraft ist das keine akademische Fingerübung, sondern eine strategische Notwendigkeit. Wer heute Entscheidungen trifft, muss die Auswirkungen digitaler Tools auf Mitarbeitende, auf die Unternehmenskultur und auf die Zukunftsfähigkeit Ihrer Organisation mitdenken. Dabei hilft das Zusammenspiel aus SGMM und IMS, wie ich es im Artikel beschreibe: Es schafft Orientierung in der Komplexität und unterstützt eine ganzheitliche Sicht auf Organisationen, die nicht zwischen Mensch und Maschine trennt, sondern deren Potenziale verbindet.
Stellen Sie sich ein Uhrwerk mit den Zahnrädern, die ineinandergreifen, vor. KI ist wie ein neues Zahnrad, das Hochgeschwindigkeit verspricht. Aber wenn das neue Zahnrad zu groß, zu hart oder zu schnell ist, bringt es das ganze System aus dem Gleichgewicht. Was es braucht, ist nicht nur technisches Feintuning, sondern ein Verständnis des gesamten Uhrwerks. Das ist Management. Und das ist Aufgabe von Führung.
KI kann ein enormer Hebel für Effizienz, für Innovation und für neue Formen des Arbeitens sein. Aber nur, wenn wir sie eingebettet denken: in unsere Werte, in unsere Führungslogik und in unsere strategischen Zielbilder.
Mein Beitrag im Springer-Band ist ein Versuch, genau dafür eine fundierte Grundlage zu legen. Für Führungskräfte, die nicht nur verwalten, sondern gestalten wollen. Für Unternehmen , die nicht nur schneller, sondern wirksamer werden wollen. Und für eine Wirtschaft, die auch morgen noch auf Vertrauen, Verantwortung und Menschlichkeit baut.
Ihr Daniel Keller
Mein Fachbeitrag „Normative Grundlagen der KI-Nutzung: Das St. Galler Management Modell als Referenzrahmen“ ist Teil des Sammelbands „Wie die Künstliche Intelligenz die Wirtschaft verändert“, erschienen bei Springer Fachmedien Wiesbaden (2025). 👉 zum Artikel-Download beim Springer-Verlag |
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